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27. August 2015

#day29: Eine kleine Geschichte vom "Weiß-Sein"

Nachdem ich mein Internetpacket in den ersten beiden Tagen durch unnötige Youtube-Videos, gepaart mit meiner Dummheit, erfolgreich aufgebracht habe, habe ich geduldig auf den nächsten Monat gewartet und kann nun endlich wieder jeden noch so kleinen Mist googeln. Das wichtigste, nämlich Whatsapp, funktioniert übrigens trotz gedrosseltem Internet einwandfrei. Die 6GB, für die man hier nur 48RM (ca. 10Euro) bezahlen muss, werden diesen Monat hoffentlich genügen – ich geb mein Bestes. Übrigens ist hier nicht nur das Internet total günstig, nein, auch das Essen: ca. 6RM (ca. 1,30) für einen frisch gepressten O-Saft und einen riesen Teller Essen. Leider keine gegrillte Heuschrecken, da muss ich euch leider enttäuschen. Somit sind meine beiden Grundbedürfnisse hier bestens und preiswert gedeckt. Doch darum soll es in diesem Post gar nicht gehen, also Schluss mit dem Geschwafel. Es folgt nämlich ein relativ unnötiger Bericht, wie Jana und ich das RelayforLife- Event erlebt haben.
Zugegebenermaßen ist es schon einige Wochen her, aber ich habe gerade mal Zeit und auch Lust, zu schreiben- aber lieber spät als nie. Über die Notwendigkeit des Posts lässt sich streiten, aber es war sehr amüsant, wenn auch ab und an etwas skurril. Zusammengefasst war es das erste Mal, dass mir aufgefallen ist, eine „Weiße“ zu sein. Was ich damit meine, werdet ihr Laufe des Posts schon noch merken. 

By the way: Ich bin tatsächlich schon knapp einen Monat in Malaysia. Bis jetzt läuft die Zeit hier schneller, als gedacht. Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob ich das gut oder schlecht finden soll. Das Zeitgefühl wird sich hier vielleicht sowieso noch ändern, man wird sehen… 


Aber erstmal zur Veranstaltung: 
„RelayforLife is a worldwide movement that aims to spread the key message about cancer as well as raise much needed funds for cancer services. It started in USA, under the American Cancer Society, and is now held in over 20 countries around the world. […] Relay brings us together as a community in our fight against cancer. It affirms that we can do things to protect ourselves and our loved ones against cancer; that we need to know more and spread knowledge to others; and that we can celebrate this fight together [...]"
Zusammengefasst und primitiv übersetzt: RelayforLife ist ein jährliches Event, um auf Krebs aufmerksam zu machen. Einerseits werden Informationen rund ums Thema weitergegeben, andererseits die Überlebenden gefeiert und Hoffnung für die Menschen gemacht, die noch kämpfen müssen. 

Stattgefunden hat RelayforLife im wunderschönen Youth Park, wo ich übrigens endlich Affen zu Gesicht bekommen habe! Falls ich irgendwann den Mut aufbringen werde, hier mit dem Fahrrad rumzufahren, muss ich da definitiv öfter hin.
Es waren viele große Zelte aufgebaut, in der Mitte befand sich eine Art Rundlauf, auf der symbolisch mindestens eine Person laufen sollte, bis das Event zu Ende war. Es ging übrigens von 4 Uhr nachtmittags durch die Nacht bis 10 Uhr morgens) 



Darauf aufmerksam gemacht hat mich ein Staff aus meinem Projekt, deren Tochter (die wirklich wahnsinnig aufgeschlossen und nett ist) sich dort als Volunteer angemeldet hat. Also hab ich Jana (eine Mitfreiwillige hier in Penang) geschnappt und eingewilligt, ebenso vor Ort zu helfen. Netterweise hat uns ein Uncle hingefahren, wobei wir natürlich dort angekommen den deutschen Stereotypen gerecht wurden und viel zu früh da waren – oder sie nach malaiischer Manier zu spät, je nachdem, wie man es sehen möchte. Nach längerem Warten konnten wir uns dann schließlich anmelden und unsere T-Shirts holen. Planlos, wie alles war, sind wir erstmal ein wenig rumgelaufen und haben unweigerlich nebenbei den durch und durch schrecklichen „Sängern“ bei der Probe zuhören müssen, woran man sich in Penang wohl oder übel gewöhnen muss. Bei der absolut schiefen Gesangsperformance von Thinking Out Loud hat mein Herz geblutet, da hätte sogar ich besser gesungen- was wirklich einiges heißt. Keine Minute später wurden wir dann angesprochen und nach langem Zieren zu einem Interview gedrängt. Also mussten erst Jana, danach ich, uns total fertig und verschwitzt auf eine Couch setzen und diverse Fragen zu Krebs und RelayforLife beantworten. Weil das natürlich nicht unangenehm genug war, war eine fette Kamera auf uns gerichtet. Ganz ehrlich, ich hab mich gefühlt wie in einem Bewerbungsgespräch, bei dem ich den Job definitiv nicht bekommen würde. Natürlich hatten wir auch nicht die geringste Ahnung von Krebs und dem Event - wir wollten schließlich nur helfen und neue Leute kennenlernen. Wofür das Interview war, habe ich bis heute noch nicht verstanden. Aber hey, es war bestimmt für einen guten Zweck…und witzig war es allemal.
Danach haben wir uns auf die Suche nach unserer Arbeit gemacht, was gar nicht so einfach war. Eingetragen waren wir für die Coupons, was auch immer das heißen sollte. Nun gut, nach ewigem Rumfragen wurden wir dann hinter einen Essensstand gestellt und haben natürlich, wie kann es auch anders sein, Reis verkauft! Nasi Briyani, um genau zu sein. 


Reis verkaufen; What else?
Selbstverständlich eingewickelt in Papier, ist so ja auch total logisch und praktisch zu essen, nicht wahr?
Jana beim Interview - danach war ich an der Reihe

Das waren zwar nicht die Coupons, aber immerhin etwas. Da nämlich viel zu viele Freiwillige da waren, hatte die Hälfte nichts zu tun - so zumindest mein Eindruck. Das Tolle an unserem „Arbeitsstandort“ war, dass wir Mitten im Essensbereich waren, was, wie ihr wisst, der perfekte Ort für mich ist. So haben wir des Öfteren Essen zum Probieren geschenkt bekommen und mussten so keinen Cent, oder besser gesagt Ringgit, dafür ausgeben. Während des Verkaufs wurden wir, wie so oft, nach unserer Herkunft und Tätigkeit gefragt, was meistens zu tollen Gesprächen geführt hat. So wurde uns zum Beispiel angeboten, einen kostenlosen Yogakurs zu besuchen; im Gegenzug könnten wir das Deutsch der Dame etwas auffrischen. Ob das wirklich zustande kommt, bezweifle ich, aber nett ist es dennoch allemal. Zwischendurch hatten wir dann die Gelegenheit, etwas rumzulaufen, sodass wir uns ein Henna- Tattoo machen haben lassen und freudig den Leuten beim Tanzen (oder was auch immer das war) zuschauen konnten. 



Gegen Ende des Tages haben wir sogar die Mädels vom Interview wieder getroffen, ein bisschen gequatscht und natürlich – wie kann es anders sein – Nummern getauscht. Selbstverständlich wurde auch schon eine entsprechende Whatsapp- Gruppe gegründet, was wohl eher obligatorisch war. Ich habe noch nicht ganz herausgefunden, ob das hier normal ist oder nur gemacht wird, weil wir Weiß sind. Geschrieben oder ein Treffen ausgemacht wurde jedenfalls noch nicht. Aber hey, immerhin haben wir „Einheimische“ kennengelernt- die übrigens merkwürdigerweise oft interessiert daran sind, mit uns Bilder zu machen. So auch bei unseren „Nachbarn“, die den Essensstand neben uns hatten und wir mit ihnen vor dem riesen Chicken- Dönerspieß posieren mussten (& wir sind in immerhin Penang, was vor allem im Vergleich zu den anderen Orten meiner Mitfreiwilligen recht touristisch ist). Amüsant, wenn auch ein wenig skurril, war es allemal. 

Nachdem bereits recht früh am Abend der Youth Park immer leerer und die Shows immer weniger und uninteressanter wurden, haben wir uns auf die Suche nach Rachel, der Tochter des Staffs, gemacht. Da Jana von ihrem Projekt aus um 10 Uhr schon zurück sein musste und wir von einem Freund von Rachel zurück in unsere Projekt gebracht wurden, bin ich auch schon mitgefahren. Bis um 10 Uhr morgens hatte ich dann doch keine Energie, zu bleiben.
Übrigens vermisse ich es, selbstständig mobil zu sein und ganz bequem mit meiner geliebten Frieda (mein himmelblauer Lupo) alles in kürzester Zeit zu erreichen.

Nach einer witzigen Autofahrt mit interessanten Gesprächsthemen rund um Malaysia war ich nach anfänglichen Zweifeln total glücklich, an RelayforLife teilgenommen zu haben! Ich hätte nie gedacht, dass man mit einfachem Reis verkaufen so viel Erlebnisse hat, die uns oft zum Schmunzeln gebracht und einige Lacher garantiert haben. 



P.S.: Es nicht noch wichtig zu erwähnen, dass der Titel sehr überspitzt gewählt ist - so klingt es einfach spannender, als ein einfaches "RelayforLife", also nehmt es aber nicht zu ernst. Wie bereits erwähnt, bin ich einer einer recht touristischen Gegend. Erfahrungen meiner Mitfreiwilligen über dieses Thema sind wahrscheinlich durchaus skurriler und interessanter als meine. Ich dachte, ich teile sie aber trotzdem mit euch.