Copyright © 335 Days in Malaysia
Design by Dzignine
31. Januar 2016

#day186: Jetzt ist die Zeit zum Staunen

Spät in der Nacht sitze ich am Flughafen in Penang, mit Wifi und dem guten alten Big Mac und bin ein wenig aufgeregt: Besuch aus Deutschland. Es ist komisch, aber auch schön, dass sich meine beiden Leben, meine zwei Welten, vermischen.

Es war toll, meinem Arbeitsalltag zu entfliehen und als Tourist für ein paar Tage meine Stadt von einem neuen Blickwinkel aus kennenzulernen. Es hat mir total bewusst gemacht, wie sehr ich mich hier eingelebt habe, auskenne, angepasst hab – und hat mir wieder die Augen für Dinge geöffnet, die ich gar nicht mehr als komisch und fremd empfunden habe. Ich bin es inzwischen gewohnt, die stark befahrenen Straßen todesmutig zu überqueren, meine Getränke in der Plastiktüte zu trinken, die Toiletten überflutet vorzufinden und anschließend kein Klopapier, sondern einen Wasserschlauch zu benutzen. Ich liebe die laute indische Musik, die vielen Menschen und die Gerüche in Little India. Außerdem kenne ich hier nichts anderes außer die schwüle Hitze und bin es dementsprechend gewohnt. Ich mag es, in die dreckigen und gammelig aussehenden „Restaurants“ zu gehen, weil ich weiß, dass es dort das günstigste und beste Essen gibt. Obwohl ich immer noch nicht mit knusprig gebratenen Heuschrecken an Straßenständen dienen konnte, musste ich amüsiert feststellen, dass mein Leben hier doch nicht für jedermann das Wahre ist. Nachdem Penang, inklusive ein kurzer Besuch in meinem Projekt (das leider nicht so war wie sonst, da so gut wie alle Kinder über die großen Schulferien zuhause waren) abgehakt war, ging es auch schon ab nach Thailand, dem Luxus pur für mich. & Achtung, jetzt beginnt eine endlos erscheinende, uninteressante und nervige Schwärmerei.  

 

 Besonders im Vergleich zu meinem Alltag war das Frühstück direkt am Meer das absolute Highlight des Urlaubs für mich. Unfassbar gutes und frisch gemachtes Omelette mit Käse und Schinkenfüllung, eine Auswahl der exotischsten Früchte, aber auch Vollkornbrot und Croissant, Käse und Wurst, Salat mit Mais, Paprika und allem Drum und Dran haben es tagtäglich zur Challenge für mich gemacht, die Treppen zurück ins Hotelzimmer zu rollen. Genauer gesagt, ins klimatisierte Hotelzimmer mit einem großen Bett, dicker Matratze, und Bettdecke! Jaja…sogar über solche Dinge, die in Deutschland noch eine Selbstverständlichkeit für mich waren, kann ich mich inzwischen freuen und richtig wertschätzen. Vielleicht auch etwas, das ich in meinem Freiwilligendienst bis jetzt gelernt habe.
Nachdem man sich erst einmal vom Frühstück erholt hatte, ging‘s zurück zum Strand - und mit Strand meine ich wirklich Strand und nicht die aus Mallorca und Bulgarien bekannten Liegestuhl- Massenanlagen. Nein, denn wir waren in Khao Lak, einer wunderbar ruhigen Gegend ca. 1 Stunde von Phuket entfernt. Keine nervigen Strandverkäufer, keine Wassersport- Angebote. Ja, es gibt sie - die fast unberührten, leeren Traumstrände, die direkt in den Dschungel übergehen – und das trotz Hauptsaison! Im Gegensatz zu Phuket, an den die Menschen pilgern, um sich zu betrinken und anschließend mit einer Prostituierten im Bett zu landen, ist Khao Lak perfekt für Familien und Paare geeignet. Die Menschen kommen, um den Strand und die Natur zu genießen und einfach nur zu entspannen. Obwohl die Entspannung mit der strahlenden Sonne und dem wundervollen Strand alleine schon ohne Probleme gelingt, haben wir dennoch mit einer einstündigen Thaimassage aus dem Hotel nachgeholfen – und es hat sich eindeutig gelohnt. Klar, ich hatte vorher noch nie eine professionelle Massage und musste durfte bis jetzt immer auf meine Freunde zurückgreifen (danke dafür), aber die freundlichen Damen schienen geboren für diesen Job zu sein. Sie waren aber fast schon zu freundlich, um ehrlich zu sein. Es ist ja lieb gemeint, aber ich fühle mich schon etwas unwohl, wenn man sich vor mich hinkniet… da habe ich nicht viel geleistet in meinem Leben, um das zu verdienen – und das Hotel zu bezahlen rechtfertigt das dann doch irgendwie nicht.
Nachts letztendlich erschöpft von der Sonne und der Entspannung mit Blick auf das Meer einzuschlafen war traumhaft. Es tat gut, das Kindergeschrei gegen das Meerrauschen einzutauschen. Dennoch muss ich zugeben, dass mein Weihnachten im Paradies ziemlich traurig und voller Heimweh war. Klar, irgendwie schon cool, die Weihnachtsdekoration am Strand. Das Paradies hätte ich aber viel lieber gegen meine Familie eingetauscht. Es war mein erstes Weihnachten ohne sie… heißt das, ich bin jetzt erwachsen? Ist es schon zu weit? Bitte nicht, darauf hab ich nämlich so gar keine Lust. Unfassbar dankbar bin ich dennoch, dass ich meine schwüle Weihnachtszeit nicht alleine verbringen musste. Alles in allem war der Abend recht unspektakulär: ich habe etwas gegessen, dass fast sogar an einen Yufka herankommt, auf dem Balkon gesessen und dem überteuertem Christmas- Galadinner des Hotels für umgerechnet 50 Euro pro Person zugeschaut bzw. gehört und bin durch die Weihnachtslieder sogar ein wenig in besinnliche Stimmung gekommen. 50 Euro pro Person?! Da war mein Essen um einiges günstiger und bestimmt mindestens so gut. Das sind knapp 230 Ringgit, davon kann man schließlich 20 Mal essen gehen. Was das umrechnen angeht, fühle ich mich schon wie knausrige Deutsche, die noch in DM umrechnen.
Ausflüge haben wir bis auf eine Wanderung durch den Nationalpark und eine Fahrt zu einem anderen, besonders weißen Sandstrand (wow, ich weiß) nicht gemacht. Es gab zwar in der „Stadt“ (man kann es eigentlich nicht so nennen), die ca. 10min Fußweg entfernt lag, an jeder Ecke Ausflugsangebote, wobei aber alle hauptsächlich das gleiche zu bieten haben: eine Bootstour zu den Similan Islands (die inzwischen total überfüllt sein sollen), Tauchkurs (den ich mir nicht leisten kann) und Elefantenreiten, wobei letzteres aufgrund der Tierquälerei sowieso überhaupt gar nicht erst in Frage kommt. So ging die Zeit im Paradies viel zu schnell vorbei, bis es Bye Bye Thailand und Hallo Kuala Lumpur hieß.

Weihnachtsstimmung auf dem Höhepunkt.
Aussicht aus unserem Zimmer
von der Liege aus fotografiert...
Das hoteleigene Restaurant
Die Menschen, die mich kennen, wissen, dass Kuala Lumpur (kurz: KL) absolut nicht meine Stadt ist. Sie ist groß, hässlich, überfüllt und dreckig. Nichtsdestotrotz musste man hin, schließlich hat ein Flugzeug darauf gewartet mir meinen Menschen wegzunehmen und nach Deutschland zu bringen. Der Abschied fiel mir, man hätte ja es auch nicht anders erwartet, unfassbar schwer, sodass ich anschließend eine Stunde lang heulend mitten in KL Sentral, dem Hauptpunkt für die öffentlichen Verkehrsmittel, saß und versucht habe, mich zu beruhigen. In einem Land wie Malaysia, in dem es für die Menschen das Wichtigste ist, ihr Gesicht zu wahren, bedeutet das dementsprechend eines: angestarrt zu werden. Aber hey, das bin ich hier inzwischen gewohnt. 
Mein nächster Stopp war Singapur, das Timing und die Reiseplanung waren aber schlichtweg dumm, sodass ich ganze 12 Stunden in der Hotellobby verbracht habe, um schließlich um Mitternacht in den Bus nach Singapur zu steigen. Immerhin hatte ich eine bequeme Couch, wundervolle Hotelmitarbeiter, einen PC mit grandiosem und für mich inzwischen total ungewohnt schnellem Internet und nette Gespräche mit den Menschen, die sich ab und zu zu mir gesellt haben.
Die 6-stündige Fahrt im Bus war dafür weitaus weniger angenehm. Der Kombination aus Wattestäbchen und meiner Dummheit hatte ich es zu verdanken, schreckliche Ohrenschmerzen zu haben und auf dem rechten Ohr taub zu sein. Das hat leider trotzdem nicht verhindert, das Non-Stopp Schleimhochziehen meiner Sitznachbarin zu überhören. Dazu kam noch, dass im Bus die Eiszeit herrschte. As always. Obwohl ich mit Schal und dickem Kapuzenpulli gut darauf vorbereitet war, habe ich durchgehend gefroren und dementsprechend so gut wie gar nicht geschlafen. Nicht zu vergessen meine Sorge: die Grenz- bzw. Gepäckkontrollen, weswegen man 2 Mal aus dem Bus aussteigen muss. Menschen, die mich kennen, wissen, dass ich Meister darin bin, mir die schrecklichsten Szenarien vorzustellen. Was, wenn der Bus ohne mich losfährt? Hat man das ganze Gepäck und Reisepass- Tralala geschafft, steht man inmitten rennender und panischer Menschen, die versuchen, ihren Bus zu bekommen. Ja, es gibt tatsächlich Busfahrer, die einfach Passagiere zurücklassen, wenn es ihnen zu lange dauert. Meinen Freunden ist das passiert, ich bin durch die Hilfe vieler netter Menschen zum Glück davon verschont geblieben. Das hätte mir noch gefehlt. Morgens um 7 Uhr völlig übermüdet in Singapur angekommen, habe ich es dann tatsächlich sogar ohne Internet geschafft, den Weg zu meinem bzw. unserem Hostel zu finden, um mich in der nächsten Lobby auf die Couch zu legen und zu schlafen, bis in ein paar Stunden meine Mitfreiwilligen auch angekommen sind und mich geweckt haben. An dieser Stelle bitte einen kleinen Applaus für mich
Singapur war verrückt. Besonders ich als Dorfkind habe mich gefühlt, als wär ich Marty McFly und bin in der Zukunft gelandet. Riesige Wolkenkratzer, überall neue, vor allem technologische Sachen, von denen ich noch nicht einmal wusste, dass sie existieren bzw. bereits erfunden wurden. Ein selbstspielendes Klavier? Warum nicht. Ein Fluss in der Luxusmall, auf der man mit einem Boot fahren kann? Kann man machen - und die Singaporeaner (?) können es. Sowieso hatte ich das Gefühl, das Singapur um jeden Preis Perfektionismus ausstrahlen will. Der Schein der perfekten Gesellschaft, des perfekten Systems. Zusammengefasst: Das Capitol aus Tribute von Panem in Real Life. Alles, wirklich alles in dieser Stadt ist strengstens kontrolliert, organisiert, überwacht, beschildert, mit System und vor allem eines: teuer. Einerseits sind da die unverschämt hohen Geldstrafen für… nun ja, so ziemlich alles. Vom Trinken in der U-Bahn bis zum Kaugummi kauen ist alles dabei. Damit auch niemand davon kommt, ist es ja selbstverständlich, überall Überwachungskameras zu haben, die jeden Winkel genauestens im Blick haben. Andererseits ist das Leben allgemein sowie die Touri- Sachen, die es abzuklappern gilt, vor allem im Vergleich zu Malaysia unverschämt teuer und luxuriös. Das Little India der Stadt wirkte so, als wäre es als Teil eines Freizeitparks errichtet worden. Es reiht sich Mall an Mall, alle gefüllt mit unzähligen High-Class-Boutiquen, die sich natürlich andauernd wiederholen. Sogar das Krankenhaus, das ich wegen meiner Ohrenschmerzen aufgesucht habe, war wie ein 5 Sterne Luxushotel. Obwohl shoppen gehen unter diesen Umständen etwas problematisch war, hatte ich trotzdem meinen Spaß und bin mehr oder weniger frisch mit Jogginghose und dreckigem Shirt durchspaziert. Anti- Mainstream und so. Außerdem gibt es sogar in Singapur (noch) keine Strafe für Hässlichkeit… glaube ich zumindest. Es war interessant, das alles einmal gesehen zu haben, leben könnte ich dort niemals. Mir wurde bewusst, das ich in so eine Welt einfach nicht gehöre. Klar, Singapur ist die sauberste und sicherste Stadt der Welt, dafür zahlt sie aber meiner Meinung nach einen zu hohen Preis: die Freiheit. Unser Dauergeck (der bitte auf keinen Fall ernst genommen werden soll) „Scheiß drauf, wir sind Weiß, wir dürfen das!“ wurde in Singapur von der ständigen Angst, ausversehen irgendetwas Verbotenes zu tun und zur Folge dessen auf ewig verschuldet zu sein, ausgetauscht. Okay ich habe einen Hang zur Übertreibung, aber ihr wisst schon, was ich meine.
Für einen kurzen Trip, um es mal gesehen zu haben und dort gewesen zu sein, hat es sich auf jeden Fall gelohnt, obwohl wir schon zu viele Tage da waren. Zu sehen gibt es nämlich hauptsächlich eines: Hochhäuser.

Skyline Singapurs, während ich auf dem berühmten Marina Bay Hotel stehe.
Gardens By The Bay
Es war komisch, nachts total erschöpft von der Reise in mein Zimmer zu gehen und sich Zuhause zu fühlen. Nun ja, nicht mein „Daheim“ in Deutschland, irgendwie anders- aber trotzdem Zuhause. Verrückt, wie so vieles in diesem Jahr.

Ach ja, übrigens:
Niemals hätte ich gedacht, dass ich so etwas sagen würde, aber genießt den Winter. Der Dauersommer nervt, ich brauche Abwechslung und will mal etwas anderes tragen außer ein weißes bzw. schwarzes T-Shirt mit Schlabberhose. Hat man dann das, was man sich schon immer wünscht, ist es langweilig. Manchmal hasse ich uns Menschen dafür, wie wir ticken.
Bitte passt gut auf euch auf und verändert nichts, damit auch alles schön beim Alten bleibt wenn ich wieder zurück bin. Ich denke an euch und will versuchen, mich hier öfters zu melden – obwohl ich natürlich nichts versprechen kann.

Grüße ins Land der Dichter und Denker,

eure Julia
12. Januar 2016

#day167: Darf ich vorstellen? Penang

Es macht mir Angst, wie schnell die Zeit vergeht. Die ersten Tage hier konnte ich mir noch nicht einmal vorstellen, einen Monat hier zu leben. Inzwischen bin ich schon 167 Tage, also knapp 6 Monate hier – und kann es kaum fassen. Ich habe nur noch 5 Monate, alles zu entdecken. Die Stadt zu erkunden, das Land und die Leute kennenzulernen. Der Satz „Ich gehe nicht zurück nach Deutschland, bevor ich das nicht gemacht/gesehen habe“, sollte ich definitiv mehr in Angriff nehmen.

 Ich habe nun mal das große Glück, in Penang zu wohnen – das Sammelsurium an Gegensätzen schlechthin. Die Auswirkungen der Globalisierung sind hier in konzentrierter Form gut zu sehen: riesige Wolkenkratzer, Hotelbauten und moderne Shoppingmalls, die (fast) keine Wünsche offen lassen (Schupfnudeln, I miss you!) sind ein toller Komfort. Ein paar Schritte entfernt sind jedoch die alten Gebäude zu sehen, die der Stadt ihren Charme verleihen. Schlendert man einfach so in der Innenstadt herum, findet man unzählige alte Cafés, wobei jedes einzelne seinen eigenen, oft einmaligen aber wunderschönen Stil hat. Neben den alten britischen Kolonialgebäuden an der Meerpromenade reihen sich Moscheen und indische bzw. buddhistische Tempel. Betritt man Little India, riecht die Welt wundervoll nach Masala, die Ohren werden mit indischer Musik zugedröhnt. Mit der ihr in Deutschland spätestens nach Betreten von Frieda, meinem Auto, Bekanntschaft machen werdet. Ich bin zwar leider nicht wirklich textsicher in Tamil, feiere die Musik trotzdem. An wunderschönen Sarees, Punjabi Suits und natürlich übermäßigem Goldschmuck mangelt es natürlich auch nicht. Von Henna bis Kuhpisse – für jedes Herz ist etwas dabei! In Chinatown findet man die buntesten Tücher und Schlabberhosen jeder Art. Natürlich ausgerichtet auf die Bagpacker, von denen es an der Heritage Site nur so wimmelt, besonders im Vergleich zu anderen Gegenden Malaysias. Nicht umsonst ist die Stadt UNESCO Weltkulturerbe, das zeigt sich auch im Tourismus: Die Klischee- Weißen, die für ein paar Tage in Penang sind, ein paar „kreative“ Posen vor der berühmten Streetart von Georgetown machen, sich total in der Kultur fühlen, aber umso mehr unbewusst abgrenzen. Die sich alle in den gleichen Gegenden und Restaurant tummeln (die extra auf sie ausgerichtet sind) und glauben, die Haremshosen wären total einheimisch.
Ja, auch ich trage Haremshosen, weil sie unheimlich bequem und perfekt für das Wetter hier sind. Ja, auch ich habe schon fleißig Bilder mit und von der wundervollen Streetart gemacht, für die Penang neben dem Essen weltberühmt ist. Obwohl ich die Bagpacker oft mit einem schmunzeln betrachte, ich liebe Penang dafür, am Wochenende auch mal der typische Weiße Tourist aus dem Westen zu sein, kurze Hosen zu tragen und total fancy Smoothies zu trinken.
Hier sind schön die Gegensätze zu sehen, die ich meine. Im Vordergrund ein indischer Tempel, dahinter diverse Hotel- bzw. Bürogebäude.

Wie ihr hierbei schon merkt, ist Penang hauptsächlich von Chinesen und Indern besiedelt, sodass Dinge wie der Dresscode außerhalb der Arbeit eher lockerer und nicht „typisch malaiisch“ zu folgen ist. Durch die Vielfalt an Religionen und Kulturen, die hier miteinander leben, ist die Insel nicht nur besonders bunt, sondern regt auch zum Nachdenken an. Es wird nie langweilig, Reizüberflutung findet dauerhaft statt. 
britisches Kolonialgebäude an der Meerpromenade
Esplanade. Ein wundervoller Ort, um dem Meer und den Menschen zuzuschauen und abzuschalten.
Die Kulturvielfalt zeigt sich trotzdem vor allem am wichtigsten Punkt, wenn von Penang die Rede ist: das weltberühmte Essen. Indisch, Chinesisch oder doch zum Malay? Die sogenannten Hawker- Stalls sind mit umgerechnet 2 Euro für ein Essen plus Getränk nicht nur vom Preis her unschlagbar, sondern schmecken einfach am besten, solange man sein deutsches Hirn abschaltet und über das Aussehen bezüglich Hygienebestimmungen hinwegsieht. So glücklich ich am Anfang war, sogar mehrere McDonalds zur Verfügung zu haben, kann ich darüber jetzt nur noch den Kopf schütteln. Bigmacs können den Burgerständen einfach nicht im Geringsten das Wasser reichen. Dazu noch einen frisch gepressten O- Saft aus der Plastiktüte, Mango am Spieß als Nachtisch und alles ist perfekt. Apropos Essen: Wer hätte gedacht, dass ich scharf essen kann? Ausnahmslos täglich indisches Essen, das zwar unglaublich gut schmeckt, ich inzwischen zeitweise weder sehen, riechen noch schmecken kann, trägt eben seine Früchte. Zurück in Deutschland wird dementsprechend grammatikalisch hochprofessionell der Döner MIT scharf bestellt. Jeden Tag das gleiche Essen (Curry, Reis, todgekochtes Gemüse, …) führt mich inzwischen aber dann doch in den ein oder anderen Subway. Brot im Indien- Style geht aber dann doch immer – ob Roti, Naan oder Tosai, ist egal.
Chulia- Street, der Bagpacker Hotspot schlechthin, bei Nacht
typische Straße von Georgetown, auf der Heritage- Site
Als Dorfkind wird mir das manchmal aber auch schon zu viel, besonders der Verkehr und die dementsprechende Luftqualität. (in Deutschland wäre es unvorstellbar, die Straße so zu überqueren wie hier. Aber hey, ich lebe noch).
 
StVO Penang- Edition:
  • Straßenmarkierungen? Vorhanden, aber unnötig. Wozu, wenn man sich auch so versuchen kann, durchzudrängeln… und damit alles nur noch schlimmer zu machen. So werden aus einer eigentlich 2- spurigen Straße auch schon mal 4 oder 5.
  • Anschnallgurte, Blinker sowie Helme, vor allem für Kinder, werden überbewertet.
  • Warum ein Auto kaufen, wenn die 4-köpfige Familie mit Kleinkind auch auf ein Moped gequetscht werden kann?
  • In den ersten 5 Sekunden sind rote Ampeln noch als grün zu betrachten.
  • Busse sind grundsätzlich pünktlich – sie haben schließlich keine Fahrpläne.
  • Die goldene Busfahrerregel: So ruckartig bremsen, wie nur möglich. Ist ja nicht so, dass der Bus ohnehin total überfüllt ist. Je mehr die Leute durchgeschüttelt werden, desto besser.
  • An Ampeln immer wieder dichter an das vordere Auto auffahren, vielleicht wird’s dann schneller grün.
  • Einen kompletten Inhalt eines Supermarktes auf dem Moped zu transportieren, ist kein Problem. Damit alles gut hält und die 10 Kartons Eier nicht runterfallen, sollte ein geknotetes Band genügen.
  • Menschen wie auch Kühe sind Meister darin, Fußgängerampeln (wenn vorhanden) zu ignorieren und die Straße an der dümmsten Stelle zu überqueren. Die magische Handinnenfläche zeigen, die Autos werden schon anhalten… oder auch nicht. #thepowerofthehand
  • Du brauchst keinen Führerschein, nur 50RM. (~10 Euro)
Vertieft in mein Handy, hat die Kuh mich ganz schön erschrocken. Die Autofahrer genauso, danach gab es einen Unfall. Die Kuh hat das recht wenig interessiert.
Bis jetzt habe ich mich übrigens noch nicht getraut, mit dem Fahrrad zu fahren. Ob es wirklich gefährlicher ist, als sich dem Fahrstil der Busfahrer auszusetzen oder auf dem Weg zur nächstgelegenen Haltestelle von Straßenhunden angeknurrt zu werden, kann ich dementsprechend noch nicht sagen.

Wird mir das dann alles doch zu viel, bietet Penang auch jede Menge Möglichkeiten, dem zu entkommen – wenn man dabei nicht gerade von einem Affen belästigt wird. Schließlich lebe ich in einem tropischen Land mit einer wunderschönen Natur, wovon Penang im Gegensatz zu anderen großen Städten wie KL viel zu bieten hat. Sei es der Penang- Hill, der seitdem der Haze verschwunden ist endlich wieder die Landschaft schmückt, der Strand, der botanische Garten, der Nationalpark und mehr oder weniger vorhandenen Wanderwegen durch diverse Dschungel.
der Kek Lok Si Tempel ist einer der größten buddhistischen Tempel Südostasiens.
Batu Ferringhi, der Strand in Penang ca. 30min Busfahrt entfernt



Zusammengefasst, ich liebe Penang. Die Stadt ist inzwischen mein zweites Zuhause. Ich lebe auf einer Insel, dort, wo andere nur zum Urlaub sind. Im Gegensatz zu ihnen habe ich aber das große Glück und die Gelegenheit, die Stadt und ihre Bewohner für 11 Monate zu erleben– und trotzdem habe ich die Sorge, bis zu meiner Rückkehr nach Deutschland etwas verpasst zu haben. Es gibt noch so viel mehr Dschungelwege zu wandern, Tempel zu besichtigen und Restaurants, Cafes und Hostels zu erkunden.

4. Januar 2016

#day158: & suddenly it's a new year.


“2015 werde ich vielleicht am anderen Ende der Welt Silvester feiern, wer weiß…“ waren eine meiner vielen Gedanken zum neuen Jahr. Ich hatte Angst vor dem, was mich erwartet. Wusste, jetzt wird’s ernst. Hatte nur einen groben Plan, was ich mit meinem Leben nach der Schulzeit machen will. Aber Träume sind schließlich sehr bequem, solange man nicht gezwungen ist, sie in die Tat umzusetzen. Was mach ich nach dem Abi? In welche Richtung geht mein Leben? Risiken eingehen, über die eigenen Grenzen gehen? Etwas von der Welt sehen?
Letztendlich in Singapur, bei der größten Beachparty Asiens mit neuen, wunderbaren Menschen so glücklich ins vergangene Jahr zu blicken, hätte ich mir nie erträumt. Das Jahr war unsinnig, es war toll, es war zum Lachen und zum Verzweifeln. Und ich bin stolz darauf, was ich daraus gemacht habe.
2015 habe ich viel geweint. Aus Trauer. Aus Stress durch Abiturprüfungen, aus Wehmut vom Ende der Schulzeit. Aus Stolz, das sich der Ehrgeiz und die harte Arbeit letztendlich ausgezahlt hat. Aus Freude, weil ich mein Glück manchmal nicht fassen kann und vom Moment überrollt werde– ob bei Konzerten oder einfach, weil man die tollsten Menschen der Welt an seiner Seite hat. Aus Angst vor dem Fremden, aus Angst, zu Versagen. Aus Heimweh. Aus Momenten mit den Kindern, bei denen man realisiert, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben.


Damit wünsch ich euch allen von ganzen Herzen ein frohes neues Jahr – und das es noch viele geben wird.