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25. März 2016

#day239: von unfassbaren Piercings zu tanzenden Drachen: Thaipusam & Chinese New Year

 Die Tatsache, dass ich mich schon wieder zu lange nicht gemeldet habe, tut mir Leid. Ich überspringe hiermit die Ausreden und langen Entschuldigungen, wobei ich sowieso wieder viel zu sehr vom eigentlichen Thema abschweifen würde. Diesmal soll es nämlich um das gehen, an dem es in Malaysia der vielen Religionen und Ethnien sei Dank auf keinen Fall mangelt: Feiertage.


Thaipusam

Wann? Januar/Februar, im tamilischen Monat „Thai“.
Warum? Zu Ehren des Gottes Murugan, dem jüngsten Sohn von Shiva und Parvati. Es erinnert an eine mythologische Begebenheit, nach der Parvati ihrem Sohn einen Speer übergeben hatte, mit dem er den Dämonen Tharakasuram besiegte.


Vor allem bekannt ist das Fest aufgrund der zunächst schockierend aussehenden Piercings, sowie die chaotische, laute und beengte Atmosphäre. Alles in allem waren die 3 Tage aber vor allem eines: unglaublich heiß und anstrengend.
Der erste Tag von Thaipusam beginnt früh am Morgen in Little India, wo die „Chariot“ (siehe Bild) ihre Reise beginnt. Gezogen von 2 Ochsen und umringt von unzähligen Menschen ist das Ziel der Waterfall Temple, der um die 7km entfernt liegt. Dabei übergeben die Menschen ihre Opfer in Form von Früchten, Blumen oder Ähnlichem an die devotees („Anhänger“), die sich auf dem silbernen Wagen befinden. Um die Straßen für die Chariot zu reinigen, wird ein paar Minuten vor deren Ankunft die Straße gesäubert, indem Kokosnüsse auf die Straßen geschmettert werden. Anschließend kommen dann die unschön aussehenden LKW’s und räumen die Straße dann von den Kokosnüssen frei, bis dann die Chariot kommt. Aber gut… was sein muss, muss eben sein. Dementsprechend langsam geht’s dann auch vorwärts, sodass der Waterfall Tempel erst spät in der Nacht erreicht wird.
Kokosnuss-Schlacht
Chariot
Je näher man an den Waterfall Tempel kommt, desto lauter und überfüllter wird es. Die Menschen pilgern zum Tempel, um ihre sogenannten „vows“ (Gelöbnis, Schwur) abzugeben- so etwas wie Wünsche, die sie äußern und in Erfüllung gehen sollen. Die meisten tun das, indem sie die „Paal Kudam“, kleine Milchkannen, zum Tempel bringen. Die Hitze, Menschenmassen und die Tatsache, dass der Tempel hoch auf dem Berg liegt, machen die Sache nicht einfacher und angenehmer. Andere nehmen dafür jedoch um einiges mehr auf sich, um ihre „vows“ zu erfüllen, worauf ich zu dem mir immer noch unverständlichen Teil von Thaipusam zu sprechen komme – die Piercings. Einerseits werden Eisenstäbe durch die Wange und Zunge gestochen, andere haben große Glocken mit Haken an ihren Körpern befestigt oder ziehen mit entsprechenden Haken einen großen und schweren Umzugswagen. Einige tragen auf ihrem Rücken sogenannte Kavadis – schwere metallene Gestelle, geschmückt mit Bildnissen von Murugan, Blumen und vor allem Pfauenfeder, mit denen sie bis spät in die Nacht auf der Straße tanzen. Mit Ketten und silbernen Haken wird das hoch aufragende Gestell mit dem Körper verankert, wenigstens ein Bauchgurt gibt zusätzlichen Halt.
Bei Nachfrage reagierten die Menschen total unterschiedlich, von Abscheu bis Bewunderung. So meinte meine Aunty, mit der ich und ein paar der Kinder unterwegs war: „God does not ask us to do that.“ Sie meint, das wäre alles nur Show und hat nichts mehr mit dem Glauben zu tun. Die meisten zeigten sich jedoch begeistert und erklärten mir, dass nur die gläubigsten Anhänger zu so etwas in der Lage wären. Sie empfänden keine Schmerzen und bluten nicht, weil sie sich Wochenlang vorher durch strikt vegetarische Ernährung und Gebete darauf vorbereitet hätten und sprechen von einer Art Trancezustand. Ihr Vertrauen auf Gott Murugan gäbe ihnen die Kraft, den Schmerz zu besiegen und durchzuhalten.
Ganz nachvollziehen und verstehen werde ich es wohl nie - was meine Faszination und Bewunderung nicht im geringsten mindert. Ich für meinen Teil habe schon genug mit meinem traditionellen indischen Dress, dem Punjabi Suit, zu kämpfen und bin trotz der kostenlosen Essens- und Getränkestände schon nach ein paar Minuten überfordert von der lauten indischen Musik, der stechenden Sonne und der Enge.

Waterfall Temple
der Wagen wird von den "devotees" gezogen. Die Schnüre sind mit Haken und dem Rücken verbunden.
 
Man beachte, das die Stäbe durch den Körper gestochen sind.

Kavadi



Chinese New Year (CNY)

Kurze Zeit später, nämlich ab dem ersten Tag des chinesischen Lunar-Kalenders, war es dann an der Zeit, das dritte und letzte Mal (neben Deepavali und Silvester) ins neue Jahr zu feiern – diesmal jedoch ganze 2 Wochen lang. Dank der großen Population an Chinesen in Penang gab es auch hier einiges zu sehen und zu erleben.

Allem voraus der Kek Lok Si Tempel, der größte buddhistische Tempel Südostasiens, der während CNY erleuchtet war. Für meinen Geschmack zwar zu kitschig und überladen, beeindruckend und sehenswert war es dennoch.

Kek Lok Si

Das ist aber noch lange nicht das Einzige, was Penang in den 2 Wochen zu bieten hat. An Chap Goh Meh, dem chinesischen Valentinstag, werfen die Singlefrauen überteuerte, mit ihren Wünschen beschriftete Mandarinen ins Meer, in der Hoffnung, ihren Traummann zu finden.
An anderen Tagen wiederrum gab es diverse Shows, die an verschiedenen, in der Innenstadt verteilten Bühnen, gezeigt wurden. Die Bandbreite ging von übertriebenen Modeschauen, beeindruckenden Tommeleinlagen, diversen Tanzperformances bis hin zu mal mehr, aber eher weniger empfehlenswerten Gesangseinlagen. So kann es auch schon mal wie mir passieren, sich von einem Augenblick zum nächsten in einem Flashmob wiederzufinden. Nicht zu toppen ist aber der sogenannte Lion- bzw. Dragondance, der charakteristisch für Chinese New Year ist und ich, obwohl ich es schon so oft gesehen habe, dennoch unglaublich beeindruckend finde. Begleitet wird das Ganze natürlich von Feuerwerk, sodass das Knallen die ganzen 2 Wochen über bis zum Schlaf hin präsent war.
Nebenbei war bei mir im Kinderheim auch recht viel los, da die Chinesen zum neuen Jahr die sogenannten Ang Pows (kleine rote Umschläge mit etwas Geld darin) verteilen. Besonders gut fürs Karma ist es dann natürlich auch, es an Heimkinder zu geben. Nicht umsonst wünscht man sich zu Chinese New Year „Gong Xi Fa Chai“, was entgegen meiner Erwartungen kein frohes neues Jahr wünscht, sondern genau übersetzt zu dem vielen Geld gratuliert, das man bekommen wird.
Neben dem ganzen Tralala, das die Chinesen zugegebenermaßen wirklich draufhaben, ist Chinese New Year aber vor allem eines: ein Fest, bei dem vor allem die Familie, nicht zuletzt aber alle Menschen, zusammenkommen. Es werden viele Open Houses veranstaltet, wobei wieder einmal die große Gastfreundschaft und die Wichtigkeit des Essens in Malaysia deutlich werden. Dabei werden eben nicht nur die Familienmitglieder und Freunde nach Hause zum gemeinsamen Essen eingeladen, sondern oftmals auch fremde Menschen. Das Ganze geht sogar so weit, das auch der Chief Minister von Penang ein Open House veranstaltet. Weil der arme Mann natürlich Menschenmassen in dem Ausmaß nicht in sein Haus einladen kann, wurde das Ganze in einer großen Arena veranstaltet. Aber hey, unser Heim wurde extra eingeladen - was einen VIP- Tisch, kostenloses Essen und Ang Pows, (vom Chief Minister höchstpersönlich überreicht) bedeutete. 

trotz schlechter Bildqualität war es das schönste Feuerwerk, das ich je gesehen habe
2016 - the year of the monkey
Dragondance
Das beste Essen, das man sich vorstellen kann


*um die Bilder in Vollbild anzuschauen, einfach draufklicken.