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26. April 2016

#day272: Was ich an Deutschland vermisse

„Wir Herzen sterben vor der Angst bei dem bloßen Gedanken, daß unsere Lieben uns für immer verlassen, daß Momente, die gut hätten sein können, es nicht waren, daß Schätze, die entdeckt werden könnten, für immer im Sand versteckt bleiben. Denn wenn das passiert, dann leiden wir sehr.“
„Dann sag ihm, daß die Angst vorm Leiden schlimmer ist als das eigentliche Leid. Und daß noch kein Herz gelitten hat, als es sich aufmachte, seine Träume zu erfüllen.“


Omis Essen

Es ist faszinierend, was ich nach 9 Monaten Abstinenz für hausgemachte Spätzle mit Sauerbraten geben würde. Weil das natürlich das Non-Plus-Ultra ist, würde es mir auch schon reichen, die Möglichkeit eines Kühlschranks zu haben- an dem ich mich einfach bedienen und mich aufregen kann, das ein gewisser Jemand (ja Bruderherz, du darfst dich angesprochen fühlen) innerhalb eines halben Tages die Milchschnitte weggegessen hat. Ich will in den Rewe fahren, gute deutsche Schokolade einkaufen und sie mir zuhause nicht auf 2 Wochen in kleinsten Bissen aufteilen müssen. Ich will Smoothies machen, neue Rezepte ausprobieren, Nutellabrot frühstücken, ein kalten Glas Milch dazu trinken und mich des Lebens erfreuen. Ach ja, und ich will Käse. Das und Milch sind hier leider unfassbar teuer. Aber am meisten wünsch ich mir immer noch, in Heuholz aus dem Auto zu steigen und den Duft von Sauerbraten zu riechen (Omi, du weißt was zu tun ist, wenn ich wieder deutschen Boden betreten habe)


Langweilige Fernsehabende

Ja, ich habe sie gehasst. Kochsendungen auf ZDF mit schlechten Wortspielen (E-Mehl ist einer meiner Favoriten), bei denen Mama zu meinem Leidwesen sowieso nie etwas davon nachkocht. 20:15 die romantischen Komödien, die eh alle gleich enden und man schon von der ersten Sekunde an weiß, wer sich verlieben wird. Trotzdem vermiss ich’s, zusammen mit der Familie sich auf der Couch zu versammeln und in den Kasten zu schauen. Man macht‘s eben zusammen, und das zählt doch irgendwie.


Frieda

Türe zu, Motor an, Musik lautdrehen und am Ziel ankommen. Es kann so einfach sein. Für alle, die es nicht wissen: Frieda ist mein Auto, mein kleiner Schatz, mein blauer VW Lupo. Ich vermisse es, so mobil zu sein. Klar, ich hab hier Busse, mein Fahrrad und meine Beine, aber Frieda ist mit wunderschönen Blumendecke und ihrer Wackelblume doch irgendwie ein Teil von mir.


Mein Bett

Don’t get me wrong: Ich habe ein Bett hier, mir geht’s gut. Es ist aber dennoch was anderes, im eigenen Bett im eigenen Zimmer zu schlafen. Vor allem, weil es möglich ist, sich in fette Daunenbettwäsche einzukuscheln und man den Platz hat, sich rumzuwälzen.


Schule

Ja, ihr habt richtig gelesen und bitte steinigt mich nicht, wenn ich wieder zurück bin. Ich vermisse Schule und das Gefühl, durch harte Arbeit und Ehrgeiz etwas erreicht zu haben. Die Debatten, Denkanstöße und Aufreger im Unterricht. Und vor allem: mein Gehirn anzustrengen. Obwohl ich die Arbeit mit meinen Kleinen liebe löst jeden Tag 3 Stunden lang das Alphabet, Lesen oder einfachste Matheaufgaben wie 3+5 beizubringen das Gefühl des Wahnsinns bei mir aus – somit bin ich aber auch glücklich, doch nicht alles von 10 Jahren Matheunterricht vergessen zu haben und auch ab und an den größeren Mädels damit behilflich zu sein. Binomische Formeln, wohoo!


Frische Luft

Eigentlich sollte jetzt ein ausführlicher Artikel über Palmöl folgen. Weil Andere, professionellere Menschen das schon tausendfach getan haben, googelts bitte. Die Tatsache, dass Menschen unglaubliche Flächen Regenwald (inklusive Tier- und Pflanzenwelt) verbrennen, um ihre ungünstigen scheißdrecks  Palmölplantagen zu bauen, lässt meinen Glauben an die Menschlichkeit vergessen. Was das mit frischer Luft zu tun hat? Sogenannten Haze, der durch die illegale Brandrodung entsteht. Das gemischt mit den Schadstoffen der vielen Autos und der Gestank der fehlenden Kanalisation gibt mir den Rest.


Jahreszeiten

Seit 9 Monaten bin ich schon nun hier, seit 9 Monaten ist ununterbrochen Sommer. You call it paradies? Glaubt mir, es wird einfach irgendwann langweilig. Es fehlt die Abwechslung – wenn das Laub fällt und der Boden knistert, alle sich über Glatteis und den matschigen Schnee aufregen und dann jeder gut gelaunt ist, wenn’s Frühling wird und die Blumen anfangen zu blühen. Wenn die Menschen im Sommer zum See pilgern und man abends zusammen im Garten grillt. Ja ok, momentan fällt das Laub hier auch, aber nur weil ein Hitzerekord herrscht, das sogar die Einheimischen verzweifeln lässt und die Planzenwelt tötet. Die einzige Abwechslung, die es vielleicht mal gibt, ist Regen (und der hat’s hier echt in sich), aber das war’s auch schon. Es kühlt abends noch nicht mal ab, sodass ich um Mitternacht bei stolzen 30 Grad verzweifelt versuche, einen kühlen Windstoß zu finden.


Familie und Freunde

Ja, nebenbei vermisse ich die Vertrautheit von Familie und Freunden. Das gemeinsame am-Tisch-sitzen und über die alltäglichen Banalitäten des Lebens reden. Die unvergesslichen Abende im L-Torro oder nächtlichen Picknicks am Breitenauer See.
Allerdings vermisse ich Zuhause weniger, als ich am Anfang gedacht hatte. Denn ich weiß: ich werde alle wiedersehen.